StartseiteJura-News

Freitag, 28. Oktober 2011 - 19:38 Uhr
EA, Battlefield 3, Origin und der Datenschutz

Schon vor zwei Jahren kam beim ULD die Studie "Datenschutz in Online-Spielen" heraus und schon dort haben wir darauf hingewiesen, dass Ausforschungs-Software in Online-Spielen rechtlich sehr problematisch sind.

https://www.datenschutzzentrum.de/dos

Mit Battlefield 3 und dem nun zwangsweise dazu notwendigen Origin-Client wurde ein neues Kapitel aufgestoßen. Schließlich ist nunmehr so ein System zwangsweise selbst für Offline-Spieler notwendig.

Massenhafte negative Bewertungen bei Amazon und erste kritische Presseberichte (u. a. von Spiegel Online) haben aber allem Anschein nach auch bei EA erste Spuren hinterlassen.

Auf der Webseite von Electronic Arts sind noch folgende Lizenzbedingungen zu sehen (Ausschnitt):

http://tos.ea.com/legalapp/eula/DE/de/ORIGIN/

"Einwilligung zur Datenerhebung und -nutzung. Du gestattest EA und seinen Partnern das Sammeln, Nutzen, Speichern und Übertragen von technischen und verwandten Informationen, die deinen Computer (einschließlich IP-Adresse), dein Betriebssystem, deine Nutzung der Anwendung (einschließlich erfolgreicher Installation und/oder Deinstallation), Software, Software-Nutzung und deine Hardware-Peripherie identifizieren, um die Bereitstellung von Software-Updates, dynamischen Inhalten, Produktunterstützung und anderen Diensten, einschließlich Online-Diensten, zu erleichtern. EA kann diese Daten ebenfalls in Verbindung mit personenbezogenen Informationen zu Marketingzwecken und zur Verbesserung seiner Produkte und Dienste nutzen. Des Weiteren können wir diese Daten in einer Form, die keine persönliche Identifizierung ermöglicht, an uns verpflichtete Drittunternehmen weitergeben. WENN DU NICHT WILLST, DASS EA DIE IN DIESEM ABSCHNITT BESCHRIEBENEN DATEN SAMMELT, BENUTZT, SPEICHERT, ÜBERMITTELT ODER ANZEIGT, INSTALLIERE ODER NUTZE DIE ANWENDUNG BITTE NICHT."

Ich habe allerdings gerade (28.10.2011 19:30 Uhr) auch das System mal testweise installiert Die Bedingungen scheinen sich geändert zu haben. Als EULA wird nun bei der Installation angezeigt:

"EA weiß, dass Ihnen wichtig ist, wie Informationen über Sie gesammelt, verwendet und weitergegeben werden und weiß deshalb Ihr Vertrauen zu schätzen, dass wir gewissenhaft und zweckmäßig mit Ihren Daten umgehen. Informationen über unsere Kunden stellen einen wichtigen Teil unseres Geschäfts dar. EA wird niemals personenbezogene Daten weiterverkaufen, Spyware verwenden oder auf den Rechnern von Benutzern installieren. Wir geben keine Informationen, die Sie persönlich identifizieren, ohne Ihre Zustimmung weiter, außer in den seltenen Fällen, in denen eine Preisgabe gesetzlich oder zur Durchsetzung der Rechte von EA notwendig ist.
Zusätzlich zu den Informationen, die Sie selbst direkt an EA weitergeben, sammelt EA nicht-personenbezogene (oder anonyme) Informationen, um EAs Produkte und Dienste zu verbessern, Ihnen Dienste zur Verfügung zu stellen, Software-Updates, dynamische Inhalte und Produktunterstützung leichter zugänglich zu machen und zur Kommunikation mit Ihnen. Die nicht-personenbezogenen Informationen, die EA sammelt, schließen technische und zugehörige Informationen ein, die Ihren Computer (einschließlich IP-Adresse) und Ihr Betriebssystem identifizieren, sowie Informationen über Ihre Nutzung der Anwendung (einschließlich erfolgreicher Installation und/oder Deinstallation), Software, Software-Nutzung und Ihre Hardware-Peripherie. Wie vorstehend erwähnt werden diese Informationen regelmäßig zur Verbesserung unserer Produkte und Dienste, zur Behebung von Bugs (Programmfehler) sowie zur Verbesserung des Benutzererlebnisses gesammelt.
Diese und alle anderen EA zur Verfügung gestellten und/oder von EA in Verbindung mit Ihrer Installation und Nutzung dieser Anwendung gesammelten Daten werden gemäß der Datenschutzrichtlinie von EA gesammelt, genutzt, gespeichert und übertragen. Sie finden die Datenschutzrichtlinie auf www.electronic-arts.de. Sollten die Bedingungen dieses Abschnitts den Bedingungen der Datenschutzrichtlinien von EA widersprechen oder mit ihnen unvereinbar sein, gelten die Bedingungen der Datenschutzrichtlinien."

Viel geändert hat sich damit aber m. E. inhaltlich nicht. Die Einleitung scheint vor allem etwas Ruhe in die Diskussion bringen zu wollen. Software, Software-Nutzung und Hardware-Peripherie werden allerdings laut der EULA weiterhin erfasst. Die Weitergabe an "Drittunternehmen" wird zwar nicht mehr direkt erwähnt. Aber weiterhin sind die genannten Zwecke für die Datenverarbeitung sehr vage, es fehlt die ausdrückliche informierte Einwilligung (nur AGB-Abnicken reicht nach BDSG/TMG m.E. hier nicht aus), IP-Adressen werden im Gegensatz zu den Datenschützzern in Deutschland als nicht personenbeziehbar angesehen und es bleibt unklar, wie weit die Informationssammlung über "Software und Software-Nutzung" geht. Da ist viel denkbar...

Es bleibt somit spannend. Und vielleicht schaffen wir ja noch ein Jurafunk-Spezial dazu in den nächsten Tagen.

(Henry Krasemann)

Dienstag, 1. Februar 2011 - 11:31 Uhr
Neue FAQ zur Verwendung von IP-Adressen

Auf der Seite des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), der Aufsichtsbehörde für den Datenschutz in Schleswig-Holstein, gibt es eine neue FAQ zur Verwendung von IP-Adressen:

https://www.datenschutzzentrum.de/ip-adressen/

Dazu passend sei auf die Folge 53 des Jurafunks verwiesen, die sich u. a. mit Google Analytics auseinander setzt:

http://www.jurafunk.de/assets/podcasts/jurafunk20110125.mp3

Montag, 27. Juli 2009 - 14:42 Uhr
40 Jahre Datenschutzgeschichte im Gespräch: Prominente aktive Zeitzeugen kommen zu Wort

Datenschutzgesetze, Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, staatliche Datenschutzaufsicht, betriebliche Datenschutzbeauftragte, Privacy-Enhancing Technologies all dies sind – überhaupt nicht selbstverständliche – kulturelle, rechtliche und technische Errungenschaften. Dahinter stehen Menschen, die sich seit Ende der 60er Jahre für den Datenschutz in Deutschland und in der Welt einsetzen. Die Erinnerungen und Positionen dieser Zeitzeugen, die unsere Datenschutzgeschichte mitgeschrieben haben, dürfen nicht verloren gehen. Dies ist die Grundidee des Video-Projektes „Datenschutzgeschichte“ von den Mitarbeitern des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) Henry Krasemann und Martin Rost. Diese führen in ihrer Freizeit Interviews und stellen über das Internet die so dokumentierte spannende Entwicklung der Allgemeinheit zur Verfügung.

Personen der Datenschutzgeschichte in Deutschland erzählen, wie sie ihre Zeit erlebten bzw. erleben, was sie getan haben und wie sie die aktuelle Situation sowie die Zukunft des Datenschutzes einschätzen.

Die ersten fünf Interviews mit einer Länge zwischen 60 und 90 Minuten sind auf http://www.datenschutzzentrum.de/interviews veröffentlicht:

* Ernst Eugen Becker war der erste Landesdatenschutzbeauftragte in Schleswig-Holstein von 1978 bis 1992. Er baute die Datenschutzbehörde des Landes auf und begleitete die „Barschel-Affäre“.
* Dr. Helmut Bäumler war der zweite Landesbeauftragte für den Datenschutz in Schleswig-Holstein. Während seiner Amtszeit von 1992 bis 2004 hat er viele wegweisende Innovationen in die Datenschutzpraxis eingeführt; er gilt als Wegbereiter des „Neuen Datenschutzes".
* Marit Hansen ist ausgebildete Informatikerin und derzeit stellvertretende Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein. Sie hat einen großen Anteil daran, dass der „Datenschutz durch Technik“ weiterentwickelt und verbessert wird.
* Prof. Dr. Dr. Adalbert Podlech, Rechtswissenschaftler für Öffentliches Recht und Historiker, spielte eine zentrale Rolle bei der juristischen Herleitung bzw. Begründung und Ausgestaltung des Datenschutzrechts in Deutschland und war somit Wegbereiter des Volkszählungsurteils von 1983.
* Prof. Dr. Alexander Roßnagel, Hochschulprofessor für Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Recht der Technik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel, ist einer der Autoren des Gutachtens zur Modernisierung des Datenschutzrechts von 2001.

Weitere schon geführte Interviews, u.a. mit Prof. Dr. Spiros Simitis, Prof. Dr. Hans Peter Bull, Prof. Dr. Wilhelm Steinmüller und Prof. Dr. Bernd Lutterbeck, werden in den kommenden Monaten veröffentlicht werden. Abrufbar sind sowohl die Videos als auch reine Audio-Dateien (MP3). Beides kann als Video- oder Audiopodcast über die Seite www.datenschutzzentrum.de/interviews ebenfalls abonniert werden.

Dienstag, 7. Juli 2009 - 23:23 Uhr
CCC veröffentlicht Gutachten zur Vorratsdatenspeicherung

Der Chaos Computer Club (CCC) hat zu den Verfassungsbeschwerden gegen die Vorratsdatenspeicherung auf Wunsch des Bundesverfassungsgerichts eine Stellungnahme abgegeben.

Anmelden